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Illustration der Alfredson-Heel-Drop-Übung bei Achillessehnenentzündung

Laufverletzungen

Achillessehnenentzündung beim Laufen: erkennen, behandeln, vorbeugen

Morgensteifigkeit in der Achillessehne, Schmerzen beim Anlaufen? 6 Übungen mit dem Alfredson-Protokoll, Red Flags und Marathon-Vorbereitung, von Innsbrucker Physiotherapeut*innen.

Laufverletzungen von Alexander Müller 11 Min. Lesezeit

Die Achillessehne ist das dickste Sehnen-Bündel im menschlichen Körper, und trotzdem eine der häufigsten Problemzonen bei Läufer*innen. Morgensteifigkeit beim ersten Schritt, Anlaufschmerz, Brennen oberhalb der Ferse: das sind die klassischen Warnzeichen einer Achilles-Tendinopathie. Wer jetzt handelt, ist in 6 bis 10 Wochen wieder draußen. Wer wartet, kämpft ein halbes Jahr.

Ich bin Alex Müller, Physiotherapeut und Gründer von Bewegung Heilt in Innsbruck. Gerade im Frühjahr, vor dem Innsbruck Trailrun-Festival und den ersten längeren Bergläufen, sehen wir eine Welle an Achilles-Problemen. Dieser Artikel zeigt dir, wie du die klassische Tendinopathie erkennst, welche 6 Übungen evidenzbasiert helfen und wann du besser pausierst.

Was ist eine Achilles-Tendinopathie?

Die Achillessehne verbindet den Wadenkomplex (Gastrocnemius und Soleus) mit dem Fersenknochen. Bei jedem Schritt überträgt sie das Körpergewicht multipliziert um den Faktor 4 bis 8, beim Laufen noch mehr. Bei wiederholter Überlastung entstehen Mikrorisse, die Kollagenstruktur desorganisiert sich, die Sehne wird dicker und schmerzempfindlicher.

Die moderne Forschung spricht deshalb nicht mehr von "Entzündung" (Tendinitis), sondern von Tendinopathie oder Tendinose. Das ist klinisch wichtig: reine Entzündungshemmer wie Ibuprofen wirken nur auf den Schmerz, nicht auf die Heilung. Das, was tatsächlich heilt, ist progressive mechanische Belastung, die das Kollagen zum Remodellieren anregt2.

Typische Symptome:

  • Morgensteifigkeit: erster Schritt aus dem Bett tut weh, bessert sich nach 10 bis 15 Schritten
  • Anlaufschmerz beim Laufen, der nach 5 bis 10 Minuten oft verschwindet, am Ende aber zurückkommt
  • Druckschmerz 2 bis 6 cm oberhalb der Ferse, Sehne dort deutlich verdickt tastbar
  • Brennen und Ziehen nach Belastung, am Abend oft schlimmer
  • Keine Rötung, keine starke Schwellung (sonst andere Diagnose denken)

Mid-Portion oder Ansatz-Tendinopathie?

Zwei Formen, die sich in Lokalisation und Therapie unterscheiden:

Merkmal Mid-Portion (häufiger) Ansatz-Tendinopathie
Lokalisation2–6 cm oberhalb FerseDirekt am Fersenknochen-Übergang
TastbefundSpindelförmige VerdickungDruck am Ansatz schmerzhaft
Typisches Alter30–50 Jahre, Läufer*innen40+, oft mit Fersensporn-Konstellation
Therapie-BesonderheitAlfredson mit Ferse unter StufeHeel-Drops NUR auf ebener Fläche, nicht unter Stufe
Heilungsdauer6–12 Wochen bei Alfredson10–16 Wochen, meist etwas langsamer

Warum der Unterschied bei den Heel-Drops? Bei Ansatz-Tendinopathie reizt das Absenken der Ferse unter das Stufenniveau die Sehne am Knochenansatz zusätzlich. Deshalb: flach stehen und dort die Übung machen, ohne ins Minus zu gehen.

Die häufigsten Auslöser

  1. Belastungssprung nach dem Winter. Der häufigste Auslöser bei Läufer*innen im Frühjahr. Wer von 20 km/Woche auf 45 km in 6 Wochen springt, überlastet die Adaption der Sehne mit hoher Wahrscheinlichkeit. Die Sehne adaptiert langsamer als Muskel und Herz-Kreislauf.
  2. Erhöhter Trainingsanteil mit Hügel oder Bergauf. Innsbruck-Reality: wer vom flachen Inn-Radweg plötzlich in die Nordkette einsteigt, setzt die Achillessehne exzentrischen Belastungen aus, auf die sie nicht vorbereitet ist.
  3. Neue Schuhe mit zu geringer Dämpfung oder zu niedriger Sprengung. Der Wechsel auf Minimalschuhe oder Vibram-Fives ohne monatelange Eingewöhnung ist ein klassischer Auslöser.
  4. Verkürzte Wadenmuskulatur. Durch Sitzen im Alltag. Verkürzte Wade zieht permanent an der Achillessehne, erhöht die Ruhespannung.
  5. Medikamente: Fluorchinolon-Antibiotika (Ciprofloxacin, Levofloxacin) und hochdosiertes Kortison können die Sehne schwächen. Kortison-Injektionen in die Sehne sind deshalb kontraindiziert4.
  6. Übergewicht, Alter, Diabetes. Systemische Faktoren, die die Sehnenqualität reduzieren.

Soforthilfe in der akuten Phase

  1. Morgen-Pumpbewegungen im Bett. 20× langsam den Fuß strecken und anziehen, bevor du aufstehst. Reduziert den Anlaufschmerz.
  2. Fersen-Erhöhung. 0,5 bis 1 cm Fersen-Keil in die Schuhe einlegen (oder Schuhe mit höherer Sprengung nehmen). Reduziert die Spannung auf die Achillessehne kurzfristig um etwa 20 %.
  3. Laufpensum reduzieren. Bei akuten Symptomen: 50 % weniger Kilometer, keine Hügel, keine Intervalle. Fahrrad als Alternative ist okay, Schwimmen besonders.
  4. Wadendehnung nach jeder Belastung. Sanft, nicht aggressiv. 2× 30 Sekunden pro Seite.
  5. Eis nach Belastung, 10 bis 15 Minuten, wenn die Sehne nach dem Laufen brennt. Nicht morgens vor der Belastung, sondern nach der Belastung.
  6. NSAR (Ibuprofen) maximal 3 Tage bei starken Schmerzen. Nicht als Dauer-Lösung. Bremst die Gewebe-Anpassung.

Die 6 Übungen (Alfredson-Protokoll)

Das Alfredson-Protokoll ist seit 1998 Gold-Standard bei Achilles-Tendinopathie. In der Originalstudie wurden 15 chronische Fälle innerhalb von 12 Wochen schmerzfrei, indem sie zweimal täglich 3×15 exzentrische Heel-Drops machten1. Seither haben unzählige RCTs das Konzept bestätigt und verfeinert.

Das Programm baut auf: Grund-Mobilität (Dehnung) + progressive Kraft (Heel-Drops + Progression) + unterstützende Mobilisation. Sechs Übungen, 10 bis 15 Minuten, zweimal pro Tag.

Spielregeln:

  • Leichter Schmerz während der Übung ist okay, bis maximal 5/10. Das "Silbernagel-Prinzip"3.
  • Am Morgen danach darf der Schmerz nicht schlimmer sein als am Vortag. Wenn ja, reduzieren.
  • Mindestens 12 Wochen durchziehen. Frühestens nach 3 bis 4 Wochen spürbare Besserung.
1

Alfredson Heel-Drop (einbeinig, exzentrisch)

Ziel: Die zentrale Übung gegen Achilles-Tendinopathie. Exzentrische Kraft-Belastung stimuliert Kollagen-Aufbau.

Illustration des Alfredson Heel-Drops bei Achilles-Tendinopathie: einbeiniges Absenken der Ferse unter die Stufe

So geht's:

  1. Stelle dich mit dem Vorfuß auf die Kante einer Stufe, die Fersen hängen hinten.
  2. Halte dich am Geländer fest.
  3. Verlagere dein Gewicht auf das betroffene Bein. Das andere Bein hängt frei.
  4. Lass die Ferse langsam (3 Sekunden) unter das Stufenniveau absinken, bis du einen deutlichen Zug in der Wade und Achillessehne spürst.
  5. Dann stelle dich MIT DEM GESUNDEN BEIN (oder beidbeinig) zurück auf die Zehen hoch. Das betroffene Bein macht NUR die exzentrische (absenkende) Phase.

Zwei Varianten pro Set (3×15 + 3×15):

  • Mit gestrecktem Knie: trifft hauptsächlich den Gastrocnemius
  • Mit leicht gebeugtem Knie: trifft hauptsächlich den Soleus

Progression (nach 2 Wochen): Rucksack mit Gewicht, schrittweise 5 kg → 10 kg → 15 kg. Je schwerer, desto besser der Effekt laut Studien.

Achtung bei Ansatz-Tendinopathie: nicht unter das Stufenniveau absenken, sondern auf ebener Fläche absenken bis Ferse am Boden. Sonst reizt die Dehnung den Ansatz unnötig.

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Wadenstretch mit gestrecktem Knie (Gastrocnemius)

Ziel: Mobilität des oberen Wadenmuskels, der an der Achillessehne zieht. Besonders bei Sitz-Berufen wichtig.

Illustration der Wadendehnung mit gestrecktem Knie bei Achilles-Tendinopathie: Ausfallschritt an die Wand

So geht's:

  1. Ausfallschritt gegen die Wand, beide Hände auf Schulterhöhe an die Wand.
  2. Hinteres Bein gestreckt, die Ferse bleibt am Boden.
  3. Vorderes Bein gebeugt.
  4. Schiebe das Becken sanft in Richtung Wand, bis du einen deutlichen Zug in der Wade (oben) spürst.
  5. 45 Sekunden halten, sanft tiefer gehen beim Ausatmen.
3

Wadenstretch mit gebeugtem Knie (Soleus)

Ziel: Dehnung des tieferen Wadenmuskels. Der Soleus zieht direkt an der Achillessehne und ist bei Morgensteifigkeit oft verkürzt.

Illustration des Soleus-Stretchs bei Achilles-Tendinopathie: Ausfallschritt mit gebeugtem Knie

So geht's:

  1. Gleicher Ausgangsposition wie oben: Ausfallschritt an die Wand.
  2. Aber diesmal das HINTERE KNIE LEICHT BEUGEN, die Ferse bleibt unten am Boden.
  3. Das Becken leicht nach vorne schieben, bis du den Zug tiefer in der Wade (näher an der Achillessehne) spürst.
  4. 45 Sekunden halten.

Warum beides machen? Gastrocnemius und Soleus haben getrennte Funktionen und brauchen getrennte Dehnung. Der Soleus ist bei Läufer*innen fast immer der problematischere.

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Beidbeiniger Zehenstand (Warm-up-Übung)

Ziel: Grund-Kraft der Wade und Achillessehne, Aufwärmen für die Heel-Drops.

Illustration des beidbeinigen Zehenstands bei Achilles-Tendinopathie: beidbeinig hoch auf die Zehenballen

So geht's:

  1. Beide Füße hüftbreit auf dem Boden.
  2. Hände leicht an der Wand für Balance.
  3. Langsam auf beide Zehenspitzen hochgehen (2 Sekunden), oben einen Moment halten, langsam absenken (2 Sekunden).
  4. Volle Bewegung: Ferse wirklich komplett hoch, und wieder ganz runter.

Progression: nach 2 Wochen einbeinig (statt beidbeinig), dann mit Zusatzgewicht.

5

Tennisball unter der Wade (Selbstmassage)

Ziel: Lösen von Verspannungen und Triggerpunkten im Wadenkomplex, die die Achillessehne zusätzlich belasten.

Illustration der Selbstmassage der Wade mit Tennisball bei Achilles-Tendinopathie

So geht's:

  1. Setze dich auf den Boden, eine Wade auf einem Tennisball.
  2. Hände hinter dem Körper abstützen, leicht heben, damit mehr Druck auf den Ball kommt.
  3. Rolle langsam die Wade über den Ball, vom Knie bis kurz vor die Achillessehne.
  4. Bei besonders harten oder schmerzhaften Punkten 20 bis 30 Sekunden halten und bewusst atmen.

Variante mit Faszienrolle: schneller, aber weniger präzise. Tennisball geht tiefer in einzelne Triggerpunkte.

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Theraband-Dorsiflexion (Beweglichkeit + Grundkraft)

Ziel: Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk, wichtig für eine sauberen Abrollphase beim Laufen. Reduziert Überlastung der Achillessehne bei eingeschränkter Dorsiflexion.

Illustration der Theraband-Dorsiflexion bei Achilles-Tendinopathie: sitzend Fuß hochziehen gegen Theraband-Widerstand

So geht's:

  1. Setze dich auf den Boden, ein Bein ausgestreckt.
  2. Theraband um den Vorfuß schlingen, beide Enden in der Hand.
  3. Ziehe den Fuß aktiv zur Schienbein (Dorsiflexion) gegen den Widerstand des Bandes.
  4. Langsam lassen (3 Sekunden zurück), nicht schnell zurückfedern lassen.

Warum das wichtig ist: Viele Achilles-Patient*innen haben eine eingeschränkte Dorsiflexions-Beweglichkeit (Fuß-Hochziehen), was beim Abrollen zu Ausweichbewegungen führt, die die Achilles zusätzlich belasten.

Laufen oder pausieren? Das Silbernagel-Prinzip

Die entscheidende Frage bei jedem Läufer*innen-Fall: darf ich noch laufen? Die Antwort liefert Silbernagel 20073 mit einer klaren Regel, die seither als "Pain-Monitoring-Model" bekannt ist:

Schmerz während/nach dem Laufen (0–10) Morgendlicher Schmerz am Tag danach Empfehlung
0–2GleichDu kannst steigern
3–5GleichOkay, gleich bleiben
3–5Schlimmer als zuletztReduzieren (Tempo, km)
> 5EgalStop, nur noch Exzentrik-Übungen

Das Prinzip erlaubt den allermeisten Läufer*innen, während der Reha weiterzulaufen, wenn auch langsamer und kürzer. Die Sehne adaptiert sich besser unter moderater Last als bei kompletter Ruhe.

Heilungs-Timeline: Was du realistisch erwarten kannst

Zeitraum Was du tust Erwartung
Woche 1–3Laufpensum halbiert, alle 6 Übungen 2×/Tag, Alfredson beidbeinig falls einbeinig noch zu schmerzhaftLeichte Besserung Morgensteifigkeit, Schmerz gleich bis leicht besser
Woche 4–6Alfredson einbeinig, Zusatzgewicht, schrittweise Laufpensum steigernSpürbare Besserung, 30–50 % Schmerzreduktion
Woche 7–12Kraft mit Rucksack bis 15 kg, normales Laufen wieder möglichBis zu 80 % schmerzfrei
Woche 12+Erhaltungs-Programm 2×/Woche, normales TrainingSchmerzfrei bei den meisten, chronische Fälle brauchen länger

Prävention für die nächste Laufsaison

  1. Exzentrisches Wadentraining 2×/Woche als Erhaltungsdosis nach der Reha. 2 Sätze × 12 Wiederholungen pro Bein reichen.
  2. Wadenflexibilität: nach jedem Lauf beide Varianten (gestreckt + gebeugt) 45 Sekunden dehnen.
  3. 10-Prozent-Regel: Wochenumfang und Tempo-Anteile maximal 10 % pro Woche steigern, besonders im Frühjahr.
  4. Schuhe regelmäßig ersetzen: nach 600 bis 800 km. Neue Schuhe schrittweise einlaufen, nicht sofort im Langlauf testen.
  5. Hügel- und Tempo-Einheiten trennen: nicht in derselben Woche plötzlich beide einführen.

Wann zur Physiotherapie?

Sofort ärztlich abklären bei einer der Red Flags.

Zur Physiotherapie wenn:

  • Nach 4 bis 6 Wochen konsequenter Selbsthilfe keine Besserung
  • Chronische Beschwerden über 3 Monate
  • Du Trainings-Fehler vermutest (Laufstil, Schuhwahl, Volumen)
  • Du vor einem wichtigen Event stehst
  • Wiederkehrende Episoden (dritter Rückfall in 12 Monaten)

Eine Laufanalyse in der Praxis zeigt, ob dein Abrollverhalten, die Schrittfrequenz oder das Laufgefälle zur Überlastung beitragen. Plus individueller Übungsplan. Bei chronischen Fällen über 3 Monate kommen zusätzliche Optionen wie Stoßwellentherapie oder schweres langsames Widerstandstraining (HSR) als Ergänzung zum Alfredson-Protokoll zum Einsatz.

Kurz zusammengefasst

Achilles-Tendinopathie ist Überlastung plus zu wenig Adaptionszeit, keine klassische Entzündung. Drei Hebel lösen sie zuverlässig: progressive exzentrische Belastung (Alfredson-Heel-Drops zweimal täglich, 12 Wochen), Wadenflexibilität (Gastrocnemius und Soleus getrennt dehnen) und Training nach dem Silbernagel-Schmerz-Monitoring. Kortison-Injektionen sind nicht empfohlen. Bei Morgensteifigkeit früh handeln, dann reicht oft schon ein 6-Wochen-Programm.

Andere typische Laufbeschwerden

Die Achillessehne hängt eng mit anderen Strukturen zusammen. Wenn du gleichzeitig mit diesen Symptomen kämpfst, ist das kein Zufall:

Quellen & wissenschaftliche Evidenz

Empfehlungen und Zahlen in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Studien und Leitlinien.

  1. Alfredson et al. 1998 (Am J Sports Med). Alfredson H, Pietilä T, Jonsson P, Lorentzon R. Heavy-load eccentric calf muscle training for the treatment of chronic Achilles tendinosis. Am J Sports Med. 1998;26(3):360–366. Originalstudie: 12 Wochen zweimal tägliches exzentrisches Wadentraining (3×15 Wiederholungen) führte bei allen 15 chronischen Fällen zu Schmerzfreiheit und Rückkehr zum Vor-Verletzungs-Niveau. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9617396/ (abgerufen 2026-04-23)
  2. Malliaras et al. 2013 (BJSM systematic review). Malliaras P, Barton CJ, Reeves ND, Langberg H. Achilles and patellar tendinopathy loading programmes: a systematic review comparing clinical outcomes and identifying potential mechanisms for effectiveness. Sports Med. 2013;43(4):267–286. Metaanalyse: exzentrisches und schweres langsames Krafttraining wirksamer als Dehnung oder Ruhe bei Achilles-Tendinopathie. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23494258/ (abgerufen 2026-04-23)
  3. Silbernagel et al. 2007 (Br J Sports Med). Silbernagel KG, Thomeé R, Eriksson BI, Karlsson J. Continued sports activity, using a pain-monitoring model, during rehabilitation in patients with Achilles tendinopathy: a randomized controlled trial. Am J Sports Med. 2007;35(6):897–906. Zeigt: Patient*innen dürfen während der Reha weiterlaufen, solange Schmerz auf VAS-Skala unter 5/10 bleibt und am Tag danach nicht zunimmt. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17307888/ (abgerufen 2026-04-23)
  4. van der Vlist et al. 2021 (BJSM Delphi consensus). van der Vlist AC, Winters M, Weir A, et al. Which treatment is most effective for patients with Achilles midportion tendinopathy? A living systematic review with network meta-analysis of 29 randomised controlled trials. Br J Sports Med. 2021;55(5):249–256. Identifiziert schweres langsames Widerstandstraining und Alfredson-Protokoll als First-Line-Therapie; Kortison-Injektionen explizit nicht empfohlen wegen Ruptur-Risiko. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32522732/ (abgerufen 2026-04-23)

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei plötzlichem, stechendem Achilles-Schmerz oder wenn du dich nicht mehr auf die Zehen stellen kannst, bitte sofort ärztlich abklären (Verdacht Teilruptur). Sonst: vereinbare gerne einen Termin bei uns in der Kaplanstraße 2 in Rum bei Innsbruck.

Alexander Müller

Alexander Müller

Gründer · Physiotherapeut

Seit über zehn Jahren behandelt Alex in Innsbruck Menschen mit akuten und chronischen Rücken­beschwerden, vom Büro­angestellten mit erstem Hexenschuss bis zum ambitionierten Bergsportler. Sein Ansatz: Ursache klären, nicht Symptome kaschieren. Kein Zehn-Minuten-Takt, keine Standard­rezepte. Jede Sitzung 60 Minuten, individuelle Anamnese, klarer Plan für zu Hause.

  • Dozent ASKÖ Tirol & Ehren-Dozent ASG
  • Gründer FLOW-Akademie
  • Sport-Physiotherapie & Return-to-Activity
  • Medizinische Funktions­analyse (4FLOW)

Fachlich geprüft & aktualisiert am . Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung, er ergänzt sie.

Häufige Fragen

Ist Achillessehnenentzündung wirklich eine Entzündung?
Eher nicht. Der moderne Begriff ist "Achilles-Tendinopathie", also eine degenerative Veränderung des Sehnengewebes, nicht eine klassische Entzündung mit Immunzellen. Histologisch sieht man meist Kollagen-Desorganisation, kleine Einrisse und vermehrte Gefäße, aber wenige Entzündungszellen. Das ist klinisch wichtig: reine Entzündungshemmer wie Ibuprofen wirken nur kurz auf den Schmerz, nicht auf die Heilung. Gezielte Belastung baut das Gewebe tatsächlich wieder auf.
Ich habe Morgensteifigkeit in der Achillessehne. Ist das schon Tendinopathie?
Wahrscheinlich ja. Morgensteifigkeit, die nach den ersten 10 bis 15 Schritten nachlässt, ist das klassische Frühzeichen einer beginnenden Achilles-Tendinopathie. Früh handeln ist einfach: Wadenflexibilität aufbauen, Belastung reduzieren, Alfredson-Übungen zweimal täglich. Wer jetzt 4 bis 6 Wochen konsequent ist, verhindert oft den Übergang in eine chronische Phase, die 6 bis 12 Monate braucht.
Wie unterscheide ich Achilles-Tendinopathie von einer Teilruptur?
Teilruptur oder Vollruptur ist ein akutes Ereignis: plötzlicher stechender Schmerz wie ein Peitschenhieb, meist beim Abspringen oder Sprint, oft mit hörbarem Knall. Der Betroffene kann sich nicht mehr auf die Zehen stellen, es gibt eine tastbare Delle in der Sehne. Sofort in die Klinik. Tendinopathie dagegen entwickelt sich über Wochen, lässt sich mit Bewegung aufwärmen, und der Zehenstand ist möglich, wenn auch schmerzhaft.
Darf ich mit Achilles-Tendinopathie laufen?
In vielen Fällen ja, wenn du das Silbernagel-Prinzip nutzt: Schmerz während und nach dem Laufen darf auf der 0 bis 10 Skala maximal 5 erreichen, und muss am Morgen danach nicht schlimmer sein als vorher. Wenn ja, reduzieren. Wenn nein, gleich bleiben oder langsam steigern. Dieses Prinzip hat eine RCT mit guter Evidenz3. Für akute, stark entzündete Sehnen (Rötung, Schwellung, Ruheschmerz) gilt trotzdem: Laufpause.
Wie lange dauert Achilles-Tendinopathie?
Bei früher Intervention innerhalb von 4 Wochen: 6 bis 10 Wochen bis zur Beschwerdefreiheit. Bei subakutem Verlauf (4 Wochen bis 3 Monate alt): 3 bis 4 Monate. Chronische Fälle über 3 Monate brauchen 6 bis 12 Monate konsequentes Aufbauprogramm. Das ist die unangenehme Realität: die Achillessehne ist ein großes, schlecht durchblutetes Gewebe, das langsam remodelliert. Geduld und konsequentes Krafttraining schlagen jede schnelle Lösung.
Helfen Stoßwellen bei Achilles-Tendinopathie?
Bei chronischen Fällen über 3 Monate ohne Besserung durch Exzentrik ist Stoßwellentherapie eine evidenzbasierte Option. Die Metaanalyse von van der Vlist 2021 sieht sie als sinnvolle Ergänzung, aber nicht als First-Line4. In der Praxis kombinieren wir 3 bis 6 Sitzungen Stoßwelle mit weiterhin laufendem Exzentrik-Programm. Kortison-Injektionen werden ausdrücklich nicht empfohlen wegen Ruptur-Risiko.
Ansatz- oder Mid-Portion-Tendinopathie, was ist der Unterschied?
Mid-Portion ist die häufigste Form, der Schmerz sitzt 2 bis 6 cm oberhalb des Fersenansatzes, die Sehne ist dort oft verdickt. Ansatz-Tendinopathie ist direkt am Fersenknochen-Übergang, tritt häufig bei älteren Läufer*innen und nach Fersensporn-Konstellationen auf. Wichtiger Unterschied für die Therapie: bei Ansatz-Form darf die Ferse bei den Heel-Drops NICHT unter das Stufenniveau absinken, weil das den Ansatz zusätzlich reizt. Dann ebene Variante bevorzugen.

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